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Magisches Venedig
Die Anfänge
Es ist schwierig, die Gründung Venedigs auf ein genaues Datum festzulegen. Mit dem Untergang des Römischen Reiches und der Invasion der Hunnen und Germanen aus dem Norden suchten viele Bewohner des heutigen Veneto Schutz in der Lagune. Die ersten Siedlungen entstanden auf den Inseln Torcello, Murano und Lido (damals Malamocco). 697 wurde unter dem Schutz des Oströmischen Reiches der erste Doge ernannt. Er residierte zunächst auf dem Lido di Venezia und versuchte, die verfeindeten Inseln zu einen. Als jedoch Pippin, Sohn Karls des Großen, die Lagune besetzte und Malamocco zerstörte, schlossen sich die feindlichen Inseln zusammen und gründeten eine neue Stadt auf der zentralen Inselgruppe entlang des Rivus Altus (Rivo Alto, also das heutige Rialto) – so entstand das Venedig, das wir kennen.
812 wurde Venedig eine byzantinische Provinz – unter dem Schutz des Oströmischen Reiches konnte sich die Stadt in aller Ruhe entwickeln. 828 stahlen venezianische Kaufleute die sterblichen Überreste des Evangelisten Markus von Alexandria. Damit fand die Stadt einen Schutzpatron, und sein Symbol, der geflügelte Löwe, wurde von da an zum Wappen Venedigs. Auf dem Wasser lebend, waren die Venezianer hervorragende Seefahrer und ausgezeichnete Händler. Dank der Unterstützung durch Byzanz, das den Venezianern alle Häfen öffnete, entwickelte sich die Lagunenstadt rasch zu einer Handelsmacht, die sich einen außergewöhnlichen Wohlstand erarbeitete. Infolge des blühenden Handels wurde Venedig schließlich zum größten Finanzzentrum Europas. Mit einer starken Kriegsflotte konnte Venedig Schritt für Schritt Friaul, Istrien und Dalmatien erobern. Zudem nutzte es den Vierten Kreuzzug ins Heilige Land, um seinen einstigen Schutzherrn, das Oströmische Reich, anzugreifen, und besetzte Konstantinopel. Mit der Eroberung von Byzanz wurde Venedig Herrin der griechischen Inseln in der Ägäis. Viele Kunstschätze, darunter die Pferde auf der Basilika San Marco, wurden nach Venedig gebracht. 1381 gelang es, den Erzfeind Genua bei Chioggia zu besiegen, und von da an beherrschte die Dogenrepublik den gesamten östlichen Mittelmeerraum. Venedig selbst wuchs schnell und wurde mit 150.000 Einwohnern zur drittgrößten Stadt Europas nach Paris und Neapel. So entstand eine europäische Macht – die Königin der Adria.
Mit 3.900 Handelsschiffen und 15.000 Seeleuten beherrschte Venedig den Handel im Mittelmeerraum. Im Inneren des Staates herrschte eine besondere Stabilität, und abgesehen vom nicht gut ausgerüsteten Hinterland musste diese Seemacht keine Gefahr fürchten. Ohne Zögern wurde später auch ein großer Teil des Hinterlandes erobert; Padua, Vicenza und Verona wurden Schritt für Schritt in das venezianische Reich eingegliedert. Seine größte Ausdehnung und damit den Höhepunkt seiner Macht erreichte es mit der Eroberung Zyperns. 1453 begann sich die Lage nach der Eroberung Konstantinopels durch die Osmanen zu ändern. Venedig wurde in einen Krieg gegen die Türken verwickelt, der 300 Jahre dauerte. Im selben Zeitraum verlagerte sich mit der Entdeckung Amerikas das Handelszentrum vom Mittelmeerraum in den Atlantik. Neue Großmächte entstanden in Europa, und Venedig geriet immer stärker in politische Isolation. In der Liga von Cambrai schmiedeten Österreich, Frankreich und Spanien ein Bündnis gegen die Republik Venedig. Trotz des letzten großen Erfolgs in der Seeschlacht von Lepanto gegen die Türken begann das venezianische Reich an allen Ecken zu zerbröckeln. Nach zwei grausamen Pestepidemien (1575 und 1630) und weiteren Kriegen gegen die Osmanen beschloss Venedig, seine Besitzungen im Mittelmeerraum aufzugeben, um sich auf die Verteidigung seiner Gebiete rund um die Lagune zu konzentrieren.
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts erlebte Venedig eine kulturelle Blüte, politisch jedoch war es nur noch ein Schatten seiner selbst. Als Napoleon 1797 vor der Lagune erschien, ergab sich die Stadt kampflos. Napoleon plünderte die Stadt und übergab sie kurz darauf den Österreichern, die Venedig bis 1866 in das Habsburgerreich eingliederten. Die Österreicher modernisierten die Lagunenstadt und verbanden sie erstmals über die Eisenbahnbrücke mit dem Festland. 1866 zogen sich die Habsburger aus Venedig zurück und übergaben die Lagunenstadt dem neuen Königreich Italien. Armut und wirtschaftlicher Niedergang prägten die folgenden Jahre. Erst nach dem Ersten Weltkrieg wurde der Hafen nach Marghera verlegt, und man begann mit der Ansiedlung der Schwerindustrie. Mit der Entwicklung des modernen Tourismus in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts setzte auch der erneute Aufstieg Venedigs ein, der bis heute anhält. Ob diese Erfolgsgeschichte Venedigs auch in Zukunft weitergeht, hängt maßgeblich davon ab, wie die Umweltprobleme der Lagune gelöst werden.

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